Gastbeitrag

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Elfie Haupt

Gastbeitrag

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Muttertag


Der Muttertag war immer etwas Besonderes für uns Kinder seit wir Feiertage außer Ostern, Pfingsten, Weihnachten und den Geburtstagen überhaupt bewusst wahrnehmen konnten.

Im Ostharz, „in der Zone“, wo wir zunächst lebten, gab es diesen Feiertag allerdings nicht. Wir Kinder lernten ihn erst durch eine selbst gestaltete Karte kennen, die unser Vater aus französischer Gefangenschaft zum zweiten Sonntag im Mai schickte  -  stellvertretend für seine Söhne und in ihrem Namen formuliert.

Später, als wir alle zusammen an der Kieler Förde wohnten, konnten wir Kinder unsere Muttertags-Glückwunschkarten dann schon selbst gestalten. Sie zeigten immer auch Blumen, als Girlanden, zu Sträußen gebunden oder in Vasen arrangiert. Der Muttertag, als Feiertag in den Zwanzigerjahren in Deutschland eingebürgert, war in unserem Land eine Erfindung der Blumenhändler gewesen. Und so stellten wir uns als Kinder den Ehrentag der Mutter auch immer als Blumentag vor. Wir begleiteten unseren Vater am Sonntagmorgen in die Gärtnerei, um einen Strauß zu kaufen. Ich erinnere noch den typischen feucht-erdigen Geruch im sonnenbeschienenen Gewächshaus, der mir zum ersten Mal als Dreijährigem in meiner Heimatstadt begegnet war und nun Erinnerungen wachrief.

Wenn der Vater dann später zu Hause die Blumen überreichte, konnten wir Kinder auch unsere Zeichnungen übergeben. Mein kreativer kleiner Bruder hatte sich für seine Glückwünsche etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Ein Vers zierte die Innenseite der selbst gefertigten Klappkarte.

Der Muttertag, der Muttertag, der ist so wunderschön.                              

Da helfen die Kinderbeim Kochen der halben Rinder.

Das war natürlich ein Anlass zur Heiterkeit, was „der Kleine“ sich da hatte einfallen lassen. Da kam „der Große“ mit seinen akribischen Zeichnungen nicht mit! Auch nicht mit dem Versprechen des Jüngeren: „Heute, zum Muttertag, will ich mal artig sein!“ Und die Mutter seufzte: „Das freut mich sehr! Wenn das so ist, wünschte ich, jeder Tag wäre Muttertag und die Söhne würden sich nicht zergen*!“ Bei aller Liebe, wie lange das gut ging, sei mal dahin gestellt.

Als wir dann größer wurden, kauften wir unserer Mutter zum Ehrentag unsere eigenen Sträuße und überreichten kleine Geschenke.

Wenn wir uns unserer Mütter erinnern, wissen wir, sie hätten für ihre immerwährende Sorge um uns sicher mehr verdient gehabt als unsere Kindergaben. Muttertag hätte wirklich jeder Tag sein sollen!

*sich zergen = sich streiten


©Peter Perrey